Di 31 Mai 2011
Zum Münsterstraßen-Fest in der Nordstadt
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Vor wenigen Tagen, am 29.05., fand das Münsterstraßen-Fest in der Dortmunder Nordstadt statt. Das Fest fand nun bereits zum 13. Mal statt und wird vom Integrationsrat organisiert. Mit mehr als 50 Ständen verschiedener Kulturvereine und interkultureller Organisationen soll hier mit folkloristischen Einlagen das “andere Gesicht der Nordstadt” (RN, 28.05.2011) präsentiert werden. Es dient als Auftakt der diesjährigen “Internationalen Woche” vom 28. Mai bis 5. Juni. “Ziele der Internationalen Woche sind die Verbindung der Nordstadt mit dem Thema Internationalität und Interkulturalität sowie der Aufruf für ein friedvolles und gemeinschaftliches Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen in der Nordstadt”, so das Selbstverständnis der OrganisatorInnen. Zwischen Ethno-Kitsch-Tanzvorführungen und Würstchenbude soll der kulturellen Differenz das Wort geredet werden. Kulturelle Inklusion und sich eigenständig neu einwickelnde Formen unterschiedlicher sozio-kultureller Praktiken werden offenbar erst gar nicht mitgedacht, sind vielleicht sogar unerwünscht. Es scheint lediglich um die Kultur der Mehrheitsgesellschaft zu gehen, oder zumindest um solche, die sich aus dem Blickwinckel der Mehrheitsgesellschaft durchsetzen konnte. Repräsentiert werden „die“ türkische und „die“ deutsche Kultur. Unterschiede und Widersprüche innerhalb einer Kultur werden auf solchen Festen nicht thematisiert.
„Die Nordstadt ist einer der spannendsten Stadtteile der Metropole Ruhr. Deshalb lassen wir uns die Nordstadt nicht runterreden“ (RN, 29.05.2011), wird Oberbürgermeister Ullrich Sierau zum Straßenfest von den Ruhr Nachrichten zitiert. Als wenn er nicht als Stadtoberhaupt maßgeblich an den Repressionen gegen BewohnerInnen der Nordstadt beteiligt und als eigenständiger Akteur nicht Teil des eindimensionalen Diskurs wäre, stellt er sich hier als passiver und distanzierter Beobachter dar, dessen Lieblingsquartier herabgewürdigt wird. Dabei hatte Sierau schon die Hauptursachen der Konflikte in der Nordstadt definiert: Die neuen ZuwanderInnen aus BulgarInen und RumänInnen, die seit der EU-Osterweiterung 2007 nach Dortmund kommen und die Problemlagen “überformt” (RN, 24.02.2011), also überstrapaziert hätten. Seine bewährten Strategien führte er in dem Interview vom Ende Februar 2011 dann auch gleich aus: “Was die Problemgruppen angeht wollen wir festhalten an der Balance zwischen Repression und Betreuung.” Der Auftritt Sieraus auf dem Fest fällt damit wohl unter letzeres.
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